Ballett-Blog

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Beruf: Tanzpädagogin.

Was machst du eigentlich beruflich?

 

Diese Frage wird mir ab und zu von meinen kleinsten Tänzern gestellt.

Anfangs war ich etwas verwundert, dass sie meinen Beruf nicht als Beruf ansehen. Doch nach kurzer Überlegung habe ich gemerkt, dass ich selbst immer sage, dass mein Beruf mir selten, wie ein Beruf vorkommt. Eher wie eine Hobby, dass zum „Beruf“ geworden ist.

 

Anschließend kommt die Frage: „Was machst du den ganzen Tag?“

Viel. Viel Verschiedenes.

 

Morgens bin ich meist im Büro. Dort höre ich mich durch viele Musikstück durch. Entweder für das Training oder für die Tänze unserer nächsten Aufführungen. Ich höre Tanzpodcasts oder lese Bücher und Berichte über Tanz, um mich weiter zu bilden und auf dem neusten Stand der Dinge zu sein. Ich bereite den Ballettunterricht für den Nachmittag vor, dass heißt ich lese mir meine Notizen und Reflektionen der vergangenen Stunden durch und schaue mir das Training für die Ballettstunden des Tages an. Einmal im Monat erstelle ich ein neues Training für all meine Ballettklassen.

Neben der „kreativen“ Büroarbeit, ist da noch die „richtige“ Büroarbeit zu erledigen, wie zum Beispiel: Buchführung, Kundendaten aktualisieren, Emails und Briefe schreiben, Telefonieren und zukünftige Workshops, Projekte oder Auftritte planen.

Außerdem pflege ich die Homepage und die Seiten der Ballettschule auf den sozialen Medien und versuche diese immer auf dem Laufenden zu halten. Dafür schreibe ich Texte, mache selbst Bilder oder lasse bei einem professionellen Fotoshooting Bilder machen.

Wenn eine Aufführung ansteht kommen noch viele, weitere Extra- Aufgaben auf mich zu: Marketing, Behördengänge, die Organisation und Planung, die Choreografien erarbeiten und auswendig lernen und falls nötig neue Kostüme entwerfen und diese selbst zu schneidern.

Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass die „richtige“ Büroarbeit mir immer noch schwerfällt. Die „kreative“ Büroarbeit hingegen hilft mir meine vielen Ideen zu sortieren und meine ganzen Gedanken zu ordnen.

Der schönste Teil meines „Berufes“ ist nachmittags, wenn ich mit meinen Schülern zusammen in der Ballettschule bin. Wenn ich beobachten kann, wie sie an Herausforderungen wachsen. Wenn ich sehe, dass sie von Stunde zu Stunde besser werden und begreifen, wie sie arbeiten müssen, damit zum Beispiel eine Pirouette gelingt oder sicherer wird. Wenn sie die Schritte, die erst schwerfielen, nun leichtfüßig tanzen können.

Ich freue mich mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zusammen zu dieselbe Leidenschaft zu teil. Es macht mich glücklich, dass sie die schönste Bewegungsform der Welt lernen wollen. Für mich ist Ballett, die schönste Bewegungsform, aber auch einer der Schwersten. Umso stolzer macht es mich, wenn ich merke, dass meine Schüler der Ehrgeiz packt und sie sich auf ein Ziel fokussieren und schlussendlich das Ziel, durch Disziplin und Durchhaltevermögen, erreichen. Das braucht Zeit, Geduld und Einfühlungsvermögen, denn durchhalten und weitermachen, vor allem wenn es nicht immer vorwärts geht, ist unglaublich schwer. Und genau in solchen Situationen bin ich dann zur Stelle! Ein großer Faktor, den ich an meiner „Arbeit“ absolut liebe: Das Feuer der Leidenschaft in dem jungen Tänzer zu entfachen. Sie zu fordern und zu fördern. Sie zu pushen und ihnen zu zeigen, dass sie noch mehr schaffen können, als sie von sich selbst dachten. Für mich ist es ein unbeschreibliches Gefühl und mit keinem Geld der Welt zu bezahlen, wenn ich in die Augen der Schüler blicke und sehe, dass sie stolz auf sich selbst sind und auch leicht verwundert, dass sie über ihr Ziel hinausgewachsen sind.

Ich liebe es, die Entwicklung von dem jungen Ballettschüler hin zum erwachsenen Tänzer, zu unterstützen und zu begleiten. Viele Schüler bleiben 10, 15 oder über 20 Jahre in der Ballettschule. Manche, würde ich behaupten, bleiben ihr Leben lang. Den Großteil meiner Schüler, darf ich vom Kindergartenalter über die Grundschule, durch die Pubertätsphase bis hin zum Schulabschluss oder sogar, den ein oder anderen bis zum Start ins Berufsleben, belgeiten. Manche, würde ich behaupten, werde ich ein Leben lang begleiten. Ein großartiges Gefühl, dass mich als leidenschaftliche Tanzpädagogin stolz und sehr, sehr glücklich macht, solange ein Teil in ihrem Leben sein zu dürfen. Man wächst zusammen wie eine Familie. Und das ist jeder meiner Schüler: Teil meiner Tanzfamilie.

 

Was ich beruflich mache?

Meinen Traum leben.

 

(Foto: Daniel Herbst)