Ballett-Blog

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Spitzentanz- die schwebende Vollendung des klassischen Balletts

 

„Wann bekommen wir Spitzenschuhe?“ „Wann darf ich endlich auf Spitze tanzen?“

Diese Fragen bekomme ich häufig von meinen kleinen Ballerinen gestellt.

Das kann ich gut verstehen, denn auch ich war beim ersten Anblick von Tänzerinnen, die auf ihren Zehenspitzen tanzten, fasziniert. Und auch ich, dass muss ich gestehen, habe die alten Spitzenschuhe meiner Cousine, mit 9 Jahren angezogen und mir die ersten Blasen getanzt. Denn schon als kleines Mädchen wusste ich, wo ich hin will: Ganz hoch hinaus: Auf die Spitze!

Gott sei Dank, dass muss ich im Nachhinein sagen, hat es mir nicht geschadet. Meine Eltern kannten sich weder mit Ballett noch mit Spitzentanz aus und haben mich deshalb tanzen lassen, bis ich freiwillig aufgehört habe. (Ein kleiner Tipp an alle Eltern: Spitzenschuhe unter 12 Jahren bitte nur als Dekoration kaufen!)

Spitzentanz ist eine hohe Kunst und die Königsdisziplin im klassischen Ballett. Ohne Disziplin geht hier nichts! Eine gute Vorbereitung, in der die Füße durch regelmäßiges Training trainiert und die Muskeln gestärkt werden, ist ein Muss!! Ohne die nötige Kraft ist schon das reine Stehen auf der Zehenspitze anstrengend und schmerzhaft und macht dann natürlich wenig Freude.

Gemäß den Richtlinien des Deutschen Berufsverbands für Tanzpädagogik und des Vereins Tanzmedizin Deutschland e.V. sollte der Spitzentanz erst am einem Alter von 12 Jahren unterrichtet werden. Ich persönlich verfahre an meiner Ballettschule so, dass ich nicht vor dem 12ten Lebensjahr anfange, aber auch dann zusätzlich noch schaue: Wie arbeiten die Schülerinnen? Wie gut sind sie platziert? Wie stark sind ihre Muskeln? Kommen sie regelmäßig zum Unterricht? In der Ballettschule Lemgo fangen wir gemeinsam als Gruppe mit dem Spitzentanz an. Es gibt auch Mädchen, die dann noch nicht so weit sind. Doch hier habe ich schon sehr häufig erlebt, dass die Arbeit mit den Spitzenschuhen, sie zum einen mehr motiviert hat, intensiver und häufiger zu trainieren und zum anderen sie durch die Übungen in den Spitzenschuhen mehr Kraft bekommen haben.

Man muss sich vorstellen, dass jede Bewegung auf Spitze komplett anders ist als auf dem flachen Fuß. Der Körper muss anders ausbalanciert werden und braucht dafür viel mehr Kraft. Das ganze Körpergewicht ist auf einen kleinen Punkt verteilt und muss dort gehalten werden. Auf den Zehenspitzen.

Wie man das schaffen kann?

Bereits im Kindesalter trainiert man, wenn auch unbewusst und spielerisch, durch erste Übungen, die Fußkräftigung und -stabilität. Im Jugendalter mit dem Wissen, dass das Ziel,die Spitzenschuhe nicht mehr weit sind, trainiert man dann alles viel bewusster und intensiver. Im Training werden viele Sprünge, Relevés und Balancen eingebaut und geben den Tänzerinnen eine wertvolle und wichtige Vorbereitung und Grundlage. Ein enormer Vorteil ist oder wäre es natürlich, wenn die Schülerinnen mehr als einmal die Woche zum Unterricht zu kommen, zweimal oder vielleicht sogar dreimal. So kann man regelmäßiger trainieren und seine Kraft aufbauen und die Platzierung der Balancen verbessern.

Ich selbst bin, seit ich auf Spitze tanzen durfte, zweimal die Woche zum Ballett gegangen. Dies hat schon einen Unterschied zu meinen anderen Tanzfreundinnen gemacht, die nur einmal die Woche zum Training kamen. Später war ich sogar dreimal die Woche in der Ballettschule und es gab deutliche Unterschiede zu den anderen Schülerinnen.

Das ist nicht die Regel und ich kann dies auch nicht von all meinen Schülerinnen verlangen

Ich kann es nur jeder kleinen und großen Tänzerin raten: Übt und trainiert eure Muskeln, egal ob Beine, Bauch oder Füß. Am besten so oft es geht, zum Beispiel: jeden Morgen und Abend beim Zähne putzen. Nirgendwo sonst wird man für seinen Fleiß, seine Disziplin und seinen Ehrgeiz so schön belohnt, wie beim Spitzentanz.

Im Monat Februar erfährst Du auf dem Instagram Kanal der Ballettschule Lemgo jede Woche weitere und interessante Informationen über den Spitzenschuh und alles drumherum. Den „Spitzentanz“ ist ein großes und sehr wichtiges Thema, dass ich alles gar nicht in einen Blogpost schreiben kann.

In den Spitzenschuhen zu tanzen, ist das Ziel einer jeden begeisterten Tänzerin. Diese Schwerelosigkeit, diese Leichtigkeit, eine schwebende Vollendung des klassischen Balletts. Aber was so leicht aussieht, ist in der Realität sehr harte Arbeit. Hat man es aber geschafft den Tanz auf die Spitze zu treiben, dann ist es ein großartiges Gefühl. Es fühlt sich an wie schweben. Einfach magisch und alle Schmerzen und Mühen sind wie gegetanzt.


Fotograf: Oliver Schmidt